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bauhaus re use

Mit bauhaus re use eröffnete am 26. Mai 2015 ein temporäres Veranstaltungsgebäude auf dem Gelände des Bauhaus-Archivs / Museum für Gestaltung in Berlin-Tiergarten.

bauhaus re use am Bauhaus-Archiv ist als ein Kooperationsprojekt der zukunftsgeraeusche GbR und des Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung in Förderung der IKEA-Stiftung entstanden. Auf dem Areal des Bauhaus-Archivs in Berlin-Tiergarten ist das temporäres Recycling-Gebäude ein Ort der öffentlichen Auseinandersetzung, Veranstaltungsraum und museumspädagogische Werkstatt.

Gebäude

Das temporäre Gebäude bauhaus re use besteht aus etwa 100 Metern Fassaden-Elemente aus dem Bauhaus in Dessau, die für das experimentelle Wiederverwendungsprojekt neu zusammengefügt wurden. Die Bauteile wurden 2011 anlässlich der energetischen Sanierung des Bauhaus-Gebäudes ausgebaut und von der Stiftung Bauhaus Dessau an die zukunftsgeraeusche GbR für das Projekt bauhaus re use zur Verfügung gestellt. Mit diesen Stahl-Fenster- und Türelementen erfolgte 1976 in der ehemaligen DDR die große Sanierung des heutigen UNESCO-Weltkulturerbes nach den Kriegszerstörungen; genau 50 Jahre nach dessen Eröffnung und gleichzeitig mit dem Baubeginn des von Walter Gropius entworfenen Bauhaus-Archivs in Berlin.
Das Projekt bauhaus re use greift damit das bauliche Erbe des Bauhauses auf experimentelle und dabei sowohl konkret materielle als auch bedeutungsvolle Weise auf. Es musealisiert nicht, es erschafft einen haptischen Ort der Auseinandersetzung, der einlädt sich mit dem Erbe der Moderne anhand der heutigen Zeit reflexive zu beschäftigen. Durch die Wiederverwendung reflektiert das Projekt die Umgangsformen mit materiellem und kulturellem Erbe; eine Gratwanderung zwischen Marginalisierung und Entmarginalisierung, zwischen Alt und Neu, zwischen Bedeutungsaufladung, Ikone und Neutralisierung als verwendbares Material. Es geht um Wertigkeiten, kulturell und materiell, um kontextuelles und dabei einfaches und experimentelles Herangehen sowie um die Frage, wie Umgangsformen mit dem Erbe baulicher Substanz und dessen Bedeutung gepflegt und erneuert werden können.

Mit den gläsernen Fassadenelementen aus dem Dessauer Bauhaus-Gebäude übernimmt bauhaus re use die an Transparenz und Lichtdurchflutung orientierte Architektursprache der Moderne und experimentiert durch den Einsatz der Fenster als begehbare Doppelfassade mit einer transparenten Gebäudehülle und passiven Maßnahmen der Belüftung und Verschattung, mit Abdichtung und Wärmeerhaltung. Die Fassadenelemente wurden auf eine leichte Tragkonstruktion montiert, die Aussteifung des Baus erfolgt unter anderem mit Seecontainern, die sich im Inneren befinden und als opake Raumzellen bspw. für Sanitär- und Lagerraum genutzt werden. Das bauhaus re use ist vollständig de- und remontierbar, wodurch alle Bestandteile des etwa 174 qm umfassenden temporären und mobilen Gebäudes ressourcenschonend und nachhaltig wiederverwendbar sind.

Geschichte

Die Wiederverwendung (re use) der Stahl-Fenster-Elemente wurde durch die energetische Sanierung der Nordfassade und des Atelier-Flügels des Dessauer Gebäudes ermöglicht. Bei den über 40 Fenster- und Türelementen, die sozusagen recyceltes UNESCO-Weltkulturerbe darstellen, handelt es sich um Bauteile, mit denen in der ehemaligen DDR die Sanierung des 1925/26 erbauten Bauhauses nach jahrelangem Verfall wieder begann. Diese zusätzliche geschichtliche Dimension der Beschäftigung mit der Moderne und ihrem Erbe macht die Fenster zu einem ganz besonderen Material für die bauliche und kulturelle Auseinandersetzung.
Architekturen mit Fassaden aus Glas und Stahl, wie die des Dessauer Bauhaus-Gebäudes, entstanden aus den neuen technischen Möglichkeiten und Ideen der Moderne den tragenden Skelettbau und die nichttragende Fassade zu trennen, verbunden mit dem Bedürfnis größtmögliche Transparenz und Lichtdurchlässigkeit zu schaffen. Wegen hoher Wärmeverluste und hohem Wärmeeintrag bei Sonneneinstrahlung wurden jedoch mit der Zeit bei solchen Bauweisen nicht selten energieintensive Klimaanlagen notwendig. Im Zuge unter anderem der Energiekrise und des Klimawandels führte dies zum vermehrten Einsatz von Doppelfassaden („Zweite-Haut-Fassaden“), die mit Abluftsystemen in der Fassade, Wärmetauschern und Sonnenschutzsystemen sowie immer mehr mit natürlicher Belüftung und energieschonenden Lösungen der Problematik zu begegnen suchten.

Das bauhaus re use übernimmt mit den Bauhaus-Fenstern – die selbst aus thermisch ungetrennten Stahlrahmen mit Einscheibenverglasung bestehen – neben deren Architektursprache auch die althergebrachten Probleme dieser Fassaden-Bauweise, wobei dies als Teil des Konzepts mit einer experimentellen Umsetzung aufgegriffen wird. Die Bauhaus-Fenster stellen den technischen Stand von vor beinahe 40 bzw. – da es sich um Nachbauten des Originals handelt – von vor beinahe 90 Jahren dar. Das Ziel des Projekts ist dabei die Wiederverwendung mit der geringstmöglichen Veränderung und damit, neben der wiederholbaren Demontierbarkeit der Bauteile, auch die bewusste Thematisierung des Wandels an die Anforderungen im Bauen. Die Fenster wurden dabei nicht in der ursprünglichen Art und Weise verbaut, d.h. als Fassade eines Skelett-Massiv-Baus, sondern für sich alleine und herausgestellt vor ein ebenso filigranes Stahltragwerk gehängt. Hierbei wurde in einer einfachen Form des Bauens vorgegangen, mit dem Vorhandenen gearbeitet und neben dem Tragwerk nur in geringfügigem Maße Neues ergänzt. bauhaus re use bringt damit Bauteile aus einem früheren bauhistorischen Stand in eine neue herausfordernde bauliche Situation, stellt diese den Erwartungen an das heutige Bauen gegenüber und verbindet dies auf experimentelle Weise mit den Ansprüchen an ein ressourcenschonendes Recycling- bzw. Re-Use-Gebäude – das auf der Basis dieser experimentellen Auseinandersetzung mit Ressourcen und Bauweisen einen zukunftsweisenden Ansatz bietet.

Das klimatische Konzept wird dabei mit passiven Maßnahmen als „Low-Tech-Lösung“ umgesetzt. Die Klimatisierung wird in experimenteller Absicht über einfache Maßnahmen und ohne technische Gebäudeausstattung geregelt. Zum Einsatz kommen natürliche Belüftung, die auf den bereits vorhandenen und zu seiner Zeit vorausschauenden Lüftungsmöglichkeiten der Fenster-Elemente aufbaut, sowie Vorhänge zum Sonnen- und Wärmschutz, wie diese im Sinne des einfachen Bauens bei verschiedenen vergleichbaren Bauten praktische Anwendung finden. Ziel ist damit auch die experimentelle Überprüfung der Bedürfnisse und Anforderungen an ein derartiges Gebäude über die Nutzung und gegebenenfalls die entsprechende Anpassung. Im Inneren des Gebäudes werden Vorhänge an kalten Tagen gegen die Auskühlung des Gebäudes genutzt (analog eines Wandbehangs), können Teile der Fassade blickdicht verschließen oder den Innenraum bei Bedarf verdunkeln. Zwischen den Fassadenschichten, bestehend aus den Bauhaus-Fenstern, werden weitere Vorhänge als Sonnenschutz installiert. Sich ansammelnde Wärme soll über die natürliche Belüftung des Fassadenzwischenraums abgeführt werden. Alle Vorhänge werden von Hand bewegt. In gleicher Weise werden Stoffbahnen zum horizontalen Sonnenschutz im Dachzwischenraum an Stahlseilen geführt. Die Entlüftung des Dachzwischenraums erfolgt zusätzlich über öffenbare Dachluken, die in die einfache Dachverkleidung aus Hohlkammerstegplatten eingebaut sind.

Zum 100. Gründungsjubiläums des Bauhaus 2019 soll an der Stelle des bauhaus re use der geplante Erweiterungsbau des Bauhaus-Archivs entstehen. Mit Beginn der Baumaßnahmen im Frühjahr 2018 wird das Gebäude bauhaus re use vollständig demontiert, an einem Nachfolgeort wiedererrichtet und für die nachfolgende Fortsetzung der Nutzung angepasst. Für die Nachnutzung besteht die Möglichkeit das Gebäude als zweite Ausbaustufe mit einem aktiven Klimakonzept, wie automatischer Belüftung, Wärmerückgewinnung und autarker regenerativer Energiegewinnung zuergänzen. Die Erfahrungen und Messwerte der ersten Gebäudenutzung können dazu als Grundlage für die Dimensionierung der Maßnahmen angewendet werden.

bauhaus re use wurde als gewerkeübergreifende Bildungsbaustelle bzw. Lehrbaustelle errichtet, wodurch eine intensive Auseinandersetzung mit der Bauaufgabe und ein Mehrwert für Bildung und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bauen entstanden. Die Fertigung des Gebäudes und die Umsetzung der Baumaßnahme erfolgten mit Auszubildenden und Lehrenden des Oberstufenzentrums Knobelsdorff-Schule Berlin sowie mit weiteren Auszubildenden der marcel-breuer-schule Berlin.

Das Projekt wurde zudem von zahlreichen Partnern unterstützt wie Gerüstbau Tisch GmbH, Paradiesfabrik GmbH, tremco illbruck GmbH & Co. KG , Glassolutions Deutsche Glas Berlin-Brandenburg GmbH, Haverkamp GmbH, Dolle GmbH, Arla s.r.o, Center Glaserei, Sattler SUN-TEX GmbH, Vitra AG u.a.

Die Planung erfolgte in Zusammenarbeit mit Wagner Tragwerke sowie in wissenschaftlicher Kooperation mit der Technischen Universität Berlin – Fachgebiet Bauphysik und Baukonstruktionen.

Inhalte

Neben einem täglichen Informationsangebot zu Bauhaus, Bauhaus-Archiv und dem Projekt bauhaus re use beinhaltet das bauhaus re use die Bauhaus-Werkstatt mit vielseitigen museumspädagogischen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und einer Veranstaltungsplattform zur Auseinandersetzung mit Architektur, Design und Stadtentwicklung. Schwerpunkte sind die Themen Bauhaus und das Erbe der Moderne, Qualität und Nachhaltigkeit in Planung und Entwicklung, Wohnen und Arbeiten sowie Recycling und Ressourcenschutz. Die Bespielung erfolgt in Kooperation von Bauhaus-Archiv und  zukunftsgeraeusche GbR sowie mit weiteren Partnern wie Architektenkammer Berlin, IGSBE, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), Goethe Institut, TU Berlin, Kompetenzzentrum Großsiedlungen, Jugend im Museum u.a.

Parallel zu den Veranstaltungen und ganz im Sinne des Bauhauses fand auch die Lehrbaustelle als Teil des öffentlichen Programms eine Fortsetzung. In der Ausführung mit Auszubildenden und in Zusammenarbeit mit der TU Berlin wurde der experimentelle Bau immer wieder weiterentwickelt und optimiert.

zukunftsgeraeusche GbR | 2015

 

 

bauhaus re use ist ein Projekt der zukunftsgeraeusche GbR.
Partner und Unterstützer des Projekts siehe hier.