THE ONLY ARTIST #16 Gudrun Ingratubun
Geometrische Insel im Verkehr – gerasterte Kastanienblätter in Rostwasser

Info

Es köchelt und dampft im bauhaus reuse. Die Künstlerin Gudrun Ingratubun experimentiert mit Linden- und Kastanienblättern vom Ernst Reuter Platz und taucht diese in Rostwasser. Die bedruckten Stoffe und Papiere werden fortlaufend im Gebäude zum Trocknen aufgehängt.

Teaser Video, Dezember 2020 © zukunftsgeraeusche, Isabelle Kaiser

 

Inhalt

Gudrun Ingratubun faszinieren die sich auf dem Platz verdichtenden Gegensätze. Im Glaspavillon auf dem Platz wird sie aus den Kastanien ein Farbbad kochen, die Linden- und Kastanienblätter in Rostwasser tauchen, auf Papier und Stoff im heißen Farbbad drucken, in den Rastern des Platzes. Auch den letzten Kräutern und Blumen wird Sie versuchen die ihnen immanenten Farben und Strukturen zu entlocken. Hat die Natur hier eine Chance?

Die entstandenen Drucke reifen, trocknen, werden gebügelt. Einige Drucke wird sie von Hand zu Büchern binden, in koptischer Bindung. Zu Notiz- und Skizzenbüchern aus nachhaltigem Graspapier. Um den vielen Fragen Raum zu geben.

Sie wird auch Blätter von anderen Orten drucken, aus der Schillerstraße, vom Gierkeplatz aus Funkenhagen… und mit anderen Pflanzenfarben experimentieren, mit Zwiebelschale und Goldregen. Wir sind gespannt auf die Interaktion vor Ort.

 

Ein kreisrunder Platz, eine große Freifläche, umflossen vom rauschenden Verkehr.
Autoorientierte Stadtplanung.
Relative Ruhe.
Aufgeteilt in Rechtecke, große Wasserflächen, verwilderte Blumenbeete.
Der gläserne Bauhaus-Pavillon. Re used. Ein neuer Impuls.
Bankfundamente ohne Sitzflächen.
Kleinteiliges Pflaster.
Nur eine einzige Unterführung aus dem U-Bahnhof ermöglicht den Zugang.
Wenige Menschen verirren sich hierhin.
Einige überqueren den Platz und verlassen ihn an der anderen Seite,
in der Rotphase für den Autoverkehr.
Rotblühende Rosskastanien in Planquadraten und die Miniermotte.
Winterlinden am Straßenrand.
Die große Sichtachse, zu Siegessäule, Brandenburger Tor und Fernsehturm.
Fotospot.
Der Wind lässt die letzten Herbstblätter zu Boden schweben.

© 2020, Gudrun Ingratubun

 

Biografie

Gudrun Ingratubun, nach ihrem Abitur in Berlin lernte sie Kiswahili und lebte ein Jahr lang als Volunteer bei einer tansanischen Großmutter in einem abgelegenen Dorf im Süden Tansanias. Diese eindrückliche Erfahrung bewegte sie dazu, Landwirtschaft und Englisch in Berlin und Reading (Großbritannien) zu studieren. Ihrer Liebe folgend zog sie später nach Indonesien, arbeitete in Jakarta für das Goethe-Institut, lernte die Sprache und übersetzt seitdem Literatur aus dem Indonesischen ins Deutsche.

Die Teilnahme an Linoldruck- und Buchbindekursen inspirierte sie dazu, kreative Buchprojekte mit Kindern in Jakarta und Berlin zu initiieren. Als ihre eigenen Kinder größer wurden, fokussierte sie sich mehr auf ihre eigene künstlerische Entwicklung und nahm an Workshops zu Pflanzenfarben und Ecoprint teil, um tiefer in eine nachhaltige Kunstpraxis einzutauchen.

Gudrun Ingratubuns Werke wurden im Prinzessinnengarten in Berlin-Kreuzberg und im Rahmen der kreativ-anarchistischen urbanen Flucht-Chronik in der Flipperia, dem ResiArt und dem Organ Kritischer Kunst in Berlin ausgestellt.

THE ONLY ARTIST #16 Gudrun Ingratubun
Geometrische Insel im Verkehr – gerasterte Kastanienblätter in Rostwasser

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