Geometrische Insel im Verkehr – gerasterte Kastanienblätter in Rostwasser


© Gudrun Ingratubun

Ein kreisrunder Platz, eine große Freifläche, umflossen vom rauschenden Verkehr.

Autoorientierte Stadtplanung.

Relative Ruhe.

Aufgeteilt in Rechtecke, große Wasserflächen, verwilderte Blumenbeete.

Der gläserne Bauhaus-Pavillon. Re-used. Ein neuer Impuls.

Bankfundamente ohne Sitzflächen.

Kleinteiliges Pflaster.

Nur eine einzige Unterführung aus dem U-Bahnhof ermöglicht den Zugang.

Wenige Menschen verirren sich hierhin.

Einige überqueren den Platz und verlassen ihn an der anderen Seite,

in der Rotphase für den Autoverkehr.

Rotblühende Rosskastanien in Planquadraten und die Miniermotte.

Winterlinden am Straßenrand.

Die große Sichtachse, zu Siegessäule, Brandenburger Tor und Fernsehturm.

Fotospot.

Der Wind lässt die letzten Herbstblätter zu Boden schweben.

 

Mich faszinieren die sich auf dem Platz verdichtenden Gegensätze. Im Glaspavillon auf dem Platz werde ich aus den Kastanien ein Farbbad kochen, die Linden- und Kastanienblätter in Rostwasser tauchen, auf Papier und Stoff im heißen Farbbad drucken, in den Rastern des Platzes. Auch den letzten Kräutern und Blumen werde ich versuchen die ihnen immanenten Farben und Strukturen zu entlocken. Hat die Natur hier eine Chance?

Die entstandenen Drucke reifen, trocknen, werden gebügelt. Einige Drucke werden ich von Hand zu Büchern binden, in koptischer Bindung. Zu Notiz- und Skizzenbüchern aus nachhaltigem Graspapier. Um den vielen Fragen Raum zu geben.

Ich werde auch Blätter von anderen Orten drucken, aus der Schillerstraße, vom Gierkeplatz aus Funkenhagen… und mit anderen Pflanzenfarben experimentieren, mit Zwiebelschale und Goldregen. Ich bin gespannt auf die Interaktion vor Ort.