Milieuschutz versus Klimaschutz?
Strategien zur Vereinbarung von klimagerechter mit sozialverträglicher Quartiersentwicklung

 

Erstes Teilprojekt
Phase Eins – 2021
Neue Perspektiven durch ko-kreative Entwicklung im Quartier.
Wissen nutzbar machen. Gebäudebezogene, Quartiers- & Cross-sektorale Maßnahmen erfassen.

Das Forschungs- und Modell-Projekt “Milieuschutz versus Klimaschutz?” (MvK) hat zum Ziel innovative wissenschaftlich fundierte, umsetzungsfähige und quartiersbezogene Strategien zu erarbeiten, die den Zielkonflikt in Milieuschutzgebieten zwischen sozialer Stadt und Klimaneutralität, sprich energetischer Quartiersentwicklung, sozialverträglich und CO2-reduzierend beilegen können.

Das Vorhaben gliedert sich in zwei Phasen – Phase Eins in 2021, mit Ausrichtung auf die Fortführung in einer zweijährigen Phase Zwei – die aufbauend und formativ die komplexe Materie aufbereiten und Lösungswege aufzeigen.

Im Verbund mit Berliner Bezirken, Wissenschaft, Gebäudeeigentümer*innen, Bewohner*innen, Verbänden und weiteren Fach-Partner*innen sowie unterstützenden zivilgesellschaftlichen und fachlichen Akteur*innen werden schrittweise Handlungsansätze entworfen, um Handlungsfeld- übergreifende und sozialverträgliche Klimaschutzmaßnahmen in Milieuschutzgebieten zu erschließen.

Hierzu gilt es insbesondere, zunächst in der Phase Eins, die verschiedenen Facetten des Zielkonflikts herauszuarbeiten und in eine integrierte Betrachtung zusammenzuführen.
Dazu werden in einem partizipativen und ko-kreativen Prozess nach der Methode des Urbans Design Thinkings innovative Maßnahmen zur konkreten Anwendung in Milieuschutzgebieten erfasst und entwickelt. Die involvierten Akteur*innen werden unterstützt einen aktiven, konfliktlösenden Beitrag zum Erreichen von Klimaschutzzielen zu leisten.
Gleichzeitig werden in einer Art Meta-Studie durch eine Bilanzierung auf Quartierebene direkt oder äquivalent CO2-mindernde Maßnahmen, Projekte und Ideenvorschläge in Bezug auf ihre Wirkmächtigkeit auf den Klimaschutz quantitativ bewertbar gemacht und mit den Effekten auf den Milieuschutz in Relation gestellt.
Zudem bietet die Bilanzierung eine Grundlage für eine digitale und echtzeitnahe Anwendung für die Evaluation und das Monitoring, die als Entscheidungshilfe die Akteur*innen und die weiterführende Partizipationsfähigkeit unterstützen kann.

Mit dem Vorhaben werden Informations- und Handlungsgrundlagen für eine adaptierbare Umsetzung erfasst, die es ermöglichen sollen, besonders geschützte Bestandsquartiere an die Anforderungen des Klimaschutzes heranzuführen. Im Ergebnis entsteht ein Werkzeugkasten als Handlungsrahmen und Orientierungsgrundlage für Kommunen, Bezirke, Immobilieneigentümer*innen, Mieter*innen und Baugewerbe.

Das Projekt wird anhand von zwei Referenz-Quartieren, der Mierendorff-Insel in Berlin Charlottenburg und der Schillerpromenade in Berlin Neukölln, mit lokalen und übergeordneten Akteur*innen gemeinschaftlich durchgeführt. Es steht damit in Synergie zum Berliner Energie- und Klimaschutz-Programm BEK2030 und erhält durch aktuelle wohnungspolitische Maßnahmen, wie v.a. den Berliner Mietendeckel, eine besondere Relevanz für alle Berliner Bezirke und auch darüber hinaus – wenn die Vereinbarkeit von Klimaneutralität und Mietpreisbegrenzung insbesondere im Bestand gelingen soll.

Gerade auch für die gesellschaftliche Wahrnehmung und die politische Debatte ist dies von wachsender Bedeutung. So fordern beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und der Deutsche Mieterbund e.V. in einer aktuellen Kampagne „Mieterschutz trifft Klimaschutz“ eine jährliche Förderung von 25 Milliarden Euro für mehr sozialverträgliche energetische Sanierungen und Klimaschutz in Gebäuden – durch bundesweite Mieter*innen-Befragungen und die Sammlung von Praxisbeispielen sollten Vermieter*innen und Politik dafür sensibilisiert werden.

Das Projekt „Milieuschutz versus Klimaschutz?“ trifft damit auf einen hochaktuellen wie nachhaltigen Entwicklungsbedarf und leistet mit der kollaborativen Erarbeitung innovativer Handlungsansätze, die in einer integrierten Betrachtung notwendigerweise über die konfliktbestimmende Gebäudesanierung hinausgehen, einen wesentlichen modellhaften Beitrag.

Das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt (AZ 35861) wurde am BHROX bauhaus reuse entwickelt, in Kooperation mit der TU Berlin – Fachgebiete Bestandsentwicklung und Erneuerung von Siedlungseinheiten sowie Bauphysik und Baukonstruktionen und begleitet vom Büro der Ersten Vizepräsidentin – Stabstelle Urbane Transformation und Transfer, den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Neukölln von Berlin, insar conslut – Gesellschaft für Stadtplanung, Architektur und Regionalberatung sowie weiteren Projektpartner*innen unter Projektleitung der zukunftsgeraeusche GbR.

 

Projektleitung und Kontakt:

zukunftsgeraeusche GbR
c/o TU Berlin – FG Bauph. u. Bauko.
Sekr. TIB1-B3
Gustav-Meyer-Allee 25, Geb. 13b
D – 13355 Berlin

mvk@zukunftsgeraeusche.de