#3 Filmtipp von Peter Winter (zukunftsgerauesche)

Koyaanisqatsi

USA 1982, Regie: Godfrey Reggio, 86 Minuten

Mit seinem präzisen Blick auf ein „Leben im Ungleichgewicht“, schaffte Godfrey Reggio mit diesem Werk eine Ikone der Dokumentar- und Filmgeschichte, welche auch heute noch immer fasziniert.
Erzählt in imposanten, sich immer mehr beschleunigenden Bildern, wird in Koyaanisqatsi ein Blick auf die rasante Entwicklung unserer Kultur geworfen, welcher in der Moderne der frühen 80er Jahre Endet. Würde man diese Erzählung bis heute weiterführen, so würde man keine erhoffte Entschleunigung wahrnehmen können, umso mehr ist der Blick zurück auf diese Sozial-Dokumentation aus dem Jahr 1982 interessant, als dass sie für das Publikum nicht wertet und allein durch ihren audiovisuellen Narrativ lebt. Man verliert sich zunächst in den beeindruckenden, ruhigen Kamerafahrten durch die naturbelassenen Landschaften Nordamerikas und bemerkt kaum, wie die Geschwindigkeit graduell gesteigert wird, man durch die schnellen Zeitrafferaufnahmen die geschäftig Rush-Hour in Manhattan selbst zu durchleben scheint, um final bei dem menschengemachten Unglück eines missglückten Raketenstarts wieder abrupt ausgebremst zu werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den fantastischen Aufnahmen der Sprengung des städtischen Wohnungsbauprojekts Puitt-Igoe in St.-Louis, Missouri .Charles Jencks bezeichnete diesen Punkt in der Geschichte als jenen Tag, an dem die Nachkriegs-Moderne ein Ende nahm. Die choreographierten Bilder in Verbindung mit der sich verlierenden Komposition von Philipp Glass ergeben hier ein schaurig schönes Schauspiel.
Koyaanisqatsis Darstellung dieser unmerklichen Beschleunigung spiegelt auf faszinierende Weise den kulturellen Aufstieg des modernen Menschen dar, ein Ende war hier in 1982 noch nicht in Sicht – und ist es auch heute noch nicht.

#3 Film tip by Peter Winter (zukunftsgerauesche)

Koyaanisqatsi

USA 1982, Direction: Godfrey Reggio, 86 minutes

© IRE Productions

With his precise view of a “life in imbalance”, Godfrey Reggio created an icon of documentary and film history with this work, which still fascinates us today: narrated in imposing, ever-accelerating images, Koyaanisqatsi takes a look at the rapid development of our culture, which ends in the modernity of the early 80s. If one were to continue this narrative until today, one would not be able to perceive any hoped-for deceleration, all the more interesting is the look back at this social documentary from 1982, as it is not judgmental for the audience and lives solely through its audiovisual narrative. At first, one loses oneself in the impressive, calm tracking shots through the natural landscapes of North America and hardly notices how the speed is gradually increased, how one seems to experience the busy rush hour in Manhattan itself through the fast time lapse shots, only to be abruptly slowed down again by the man-made accident of a failed rocket launch. Louis, Missouri .Charles Jencks referred to this point in history as the day when post-war modernism came to an end. Koyaanisqatsi’s choreographed images in conjunction with the lost composition by Philipp Glass create a gruesomely beautiful spectacle. Koyaanisqatsi’s depiction of this imperceptible acceleration reflects in a fascinating way the cultural rise of modern man, an end was not yet in sight here in 1982 – and it still isn’t today.