wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund– Ausstellung © Foto: Taran Wilkh, 2026

wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund

Ausstellung im BHROX bauhaus reuse, Berlin
Eröffnung: Donnerstag, 24. September 2026, 18.30 Uhr
Laufzeit: 25. September – 22. Oktober 2026

Die Prinzipien der modernen Architektur und Stadtplanung haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg in einem solchen Maß durchgesetzt, dass ihre Folgen inzwischen weit über die gebaute Umwelt hinausreichen und zur Destabilisierung des Erd- und Klimasystems beitragen. Planen und Bauen stehen deshalb vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Ausstellung „wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund“ nimmt diesen Wandel zum Anlass, historische Erfahrungen mit gegenwärtigen Herausforderungen zu verbinden.

Anlässlich des 50. Jubiläums von Lucius Burckhardts Zeit als erster Vorsitzender des Deutschen Werkbundes richtet die Ausstellung den Blick in zwei Richtungen: auf die Tradition des ökologischen Bauens und der partizipativen Planung seit den 1970er Jahren sowie auf die aktuellen Umbrüche durch die digitale Transformation.

Die Ausstellung wurde von Felix Dölker (Werkbund Hessen) und Alexander Stumm (Werkbund Berlin) kuratiert. Sie entstand in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Darmstadt und der Technischen Hochschule Lübeck und wurde erstmals im Frühjahr 2026 im WerkbundForum des Deutschen Werkbund Hessen in Frankfurt am Main präsentiert.

Ein Netzwerk für eine andere Architektur

Der erste Teil der Ausstellung widmet sich den vielfältigen Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprojekten des Werkbundes aus den Jahren 1976 bis 1983. In dieser Zeit stand der Werkbund – und mit ihm Lucius Burckhardt als Vorsitzender – für eine grundlegende Kritik an der konventionellen Bauindustrie und an der von oben geplanten, autogerechten Stadt.

An die Stelle hierarchischer und technokratischer Planungsmodelle setzte der Werkbund die Forderung nach neuen partizipativen Strukturen und ökologischen Konzepten. Architektur und Stadtplanung sollten nicht länger ausschließlich von Expertinnen und Experten bestimmt werden, sondern gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Zusammenhänge einbeziehen.

Lucius Burckhardt war dabei jedoch keineswegs ein Einzelakteur. Er war vielmehr der zentrale Kopf eines weit größeren Netzwerks, zu dem unter anderem Michael Andritzky, Ot Hoffmann, Rudolf Doernach, Gernot Minke, Walter Segal und Eilfried Huth gehörten. Gemeinsam entwickelten und vertraten sie Positionen, die sich durch eine radikale Offenheit gegenüber anderen Formen des Planens, Bauens und Zusammenlebens auszeichneten.

Ihre Ansätze gewinnen vor dem Hintergrund der heutigen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen neue Aktualität. Die Offenheit für alternative Formen der Architektur und Planung kann dabei als Impuls für den gegenwärtigen Wandel des Planen und Bauens verstanden werden.

Mit der Ausstellung soll zugleich ein bislang nur wenig aufgearbeiteter Teil der Werkbund-Geschichte wieder sichtbar und für die Gegenwart zugänglich gemacht werden.

Von der Promenadologie zu den unsichtbaren Architekturen der Digitalisierung

Der zweite Teil der Ausstellung richtet den Blick auf die Gegenwart. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich die kritischen Themen des Werkbundes und die planerischen Ansätze von Lucius Burckhardt – insbesondere seine Promenadologie – auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters übertragen lassen.

Dabei nimmt die Ausstellung die unsichtbaren Architekturen der Digitalisierung in den Blick. Der Begriff der Architektur wird dabei über das physisch Gebaute hinaus erweitert: Algorithmisch gesteuerte Plattformen, KI-gestützte Planungstools und digitale Infrastrukturen strukturieren zunehmend unsere Räume, Bewegungen und Entscheidungen, ohne selbst unmittelbar als gebaute Umwelt in Erscheinung zu treten.

Die Ausstellung spannt deshalb einen Bogen von algorithmisch gesteuerten Plattformen und KI-gestützten Planungstools bis hin zu den Klimafolgen und sozialen Problemen digitaler Infrastrukturen. Sie fragt danach, welche Machtverhältnisse und Gestaltungslogiken diesen digitalen Räumen zugrunde liegen und welche ökologischen Auswirkungen mit ihrer materiellen Infrastruktur verbunden sind.

So wie Lucius Burckhardt seinerzeit mit kritischem Blick die fossilen Logiken der autogerechten Stadt analysierte, geht es heute darum, die Strukturen und Machtverhältnisse digitaler Räume sichtbar und verständlich zu machen. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach ihrer gesellschaftlichen und ökologischen Wirkung sowie nach Möglichkeiten, digitale Räume und Planungsprozesse partizipativer zu gestalten.

Die historische Perspektive der Ausstellung wird damit zu einem Ausgangspunkt für eine gegenwärtige Auseinandersetzung: Wie lassen sich die kritischen und partizipativen Impulse des Werkbundes unter den Bedingungen der Digitalisierung weiterdenken? Und welche Alternativen zu den gegenwärtig dominierenden Formen der digitalen Planung und Raumproduktion sind denkbar?

Bücher zur Promenadologie

Flankiert wird die Ausstellung von einer Reihe von Büchern mit Texten Lucius Burckhardts zur Promenadologie. Die Publikationen wurden im Rahmen eines Typografieseminars an der Hochschule Darmstadt entwickelt und unter der Betreuung von Su Korbjuhn, Vincent Brod und Rade Matic erarbeitet.

Die Bücher ergänzen die Ausstellung um eine eigenständige Auseinandersetzung mit Burckhardts Denken und machen seine Texte in einer typografisch und gestalterisch reflektierten Form zugänglich.

Eröffnung

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, 24. September 2026, um 18.30 Uhr statt.

Begrüßung

Kerstin Faber
Vorsitzende, Deutscher Werkbund Berlin

Einführung durch die Kuratoren

Prof. Felix Dölker
Hochschule Darmstadt

Prof. Dr. Alexander Stumm
Technische Hochschule Lübeck

Anschließend

Re-enactment der Szenenfolge „Zwischen den Stühlen“ von Lucius Burckhardt

Veranstaltungsort und Kooperation

Die Ausstellung findet im BHROX bauhaus reuse statt. Grundlage ist eine Kooperation zwischen dem Werkbund Berlin und dem BHROX bauhaus reuse / zukunftsgeraeusche.

Eröffnung: Donnerstag, 24. September 2026, 18.30 Uhr
Laufzeit: 25. September – 22. Oktober 2026
Öffnungszeiten: Dienstag–Sonntag, 12–20 Uhr
Ort: BHROX bauhaus reuse, Mittelinsel (Kreisverkehr) Ernst-Reuter-Platz, 10587 Berlin