#30 Filmtipp von Isabelle Kaiser (zukunftsgeraeusche)

Trainspotting

UK 1996, Regie: Danny Boyle, 94 Minuten

© Channel Four Films

Mit der Verfilmung des Kultbuches “Trainspotting” von Irvine Welsh sind die Macher zur Ikone der internationalen Filmszene geworden. In ihrem Heimatland Großbritannien haben Regisseur Danny Boyle, Drehbuchautor John Hodge und Produzent Andrew Macdonald sogar eine “Trainspotting”-Mania ausgelöst. Der Film reflektiert die Lebensphilosophie der Anti-Establishment- und No-Future-Generation auf explosive Weise.

Von einer stumpfsinnigen Gesellschaft an den Rand gespült, fristen eine handvoll Post-Punker, Drogensüchtige, Halbkriminelle und Chaoten ihr tristes Dasein in Leith, einem Stadtteil der schottischen Hauptstadt Edinburgh. Für die meisten unter ihnen besteht der Alltag aus einem fatalen Kreislauf von Drogenbeschaffung und Drogenkonsum. Was zählt, ist der augenblickliche Kick, die ultimative Befriedigung.

Obwohl diese Minus-Welt über weite Strecke geradezu provokant realistisch geschildert wird, ist “Trainspotting” alles andere als “politisch korrektes” Betroffenheitskino. Pointierte Visualisierungen dienen als exzentrisches Stilmittel. Farben und Räume haben eine große auf das Unterbewußtsein abzielende Bedeutung. Fast ausschließlich im Studio an 14 verschiedenen Sets gedreht, verströmt der Film eine hochartifizielle, aber gerade deshalb so authentische Atmosphäre. Hier werden Gemütsverfassungen und Seelenzustände abgebildet, nicht banale Äußerlichkeiten.

Ebenso wichtig ist die Musik. In der Eröffnungssequenz zeigt Iggy Pop mit seinem Fun-Credo “Lust for Life”, wo es die nächsten 94 Minuten lang geht.
Die qualvollen Bilder wenn Mark Renton der Hauptdarsteller (Ewan McGregor) fast an einer Überdosis stirbt wird diese mit Lou Reeds “Perfect Day” untermalt, was einem Requiem gleichkommt. Als Kontrastprogramm gibt’s Techno-Sound und Brit-Pop von “Blur” bis “Pulp”.

“Trainspotting” ist ein nihilistisches Szene-Polaroid, ein grimmiger Anti-Utopia-Alptraum, eine rabenschwarze Humoreske, ein Adrenalinstoß.

#30 Film tip by Isabelle Kaiser (zukunftsgeraeusche)

Trainspotting

UK 1996, Direction: Danny Boyle, 94 minutes

© Channel Four Films