THE ONLY ARTIST #19 Margarita Wenzel
Lichtspiel/-theater

Info

Während einer Woche, die Margarita Wenzel im bauhaus reuse verbrachte, hat sie versucht das Lichtspiel festzuhalten, das sich zwischen den Innen- und Außenraum aufspannt. Mithilfe der Vorhänge, die ein zusätzliches optisches Element darstellen und sowohl sichtbar als auch unsichtbar machen, hat sie verschiedene Lichtsituationen aufgenommen und zu zwei Bildern zusammengefügt. Wie in einem Mosaik treten in den textilen Faltungen alle Himmelsrichtungen sowie Tageszeiten nebeneinander und vereinen hierin quadratische und fließende Formen, die sich erneut – aber verändert – in den Raum einfügen.

Lichtspiel/-theater, März 2021 © Margarita Wenzel

 

Inhalt

Aufgrund der verglasten, wiederverwendeten Bauelemente ist der Pavillon auf dem Ernst-Reuter-Platz in Berlin sowohl spiegelnd als auch einsehbar, wird zur Reflexionsfläche und gleichwohl zur Bühne. Der Blick wird durch die gleichmäßigen Formen geleitet und durchschreitet sanft die zweifachen Wände. Von innen hingegen, blickt man auf eine unstete Umgebung: ein Karussell von den metallenen Flächen der Autos oder ihrer Lichter bei Nacht.

Mittels Langzeitbelichtungen, der Cyanotypie oder auch dem Nassplattenverfahren können Lichtverhältnisse dargestellt werden wie sie für das menschliche Auge sonst nicht wahrzunehmen wären. Gleichsam bleiben sie nachvollziehbar und hinterfragen vielmehr die Grenzziehung zwischen Sicht- und Unsichtbarem.
Die Aufnahmen, die tags- und nachtsüber im Pavillon mittels verschiedener Fototechniken entstehen, können täglich entwickelt und anschließend im Raum digital und analog ausgestellt werden. Hierdurch wird die Bauhaus-Architektur nicht nur zum Bildmotiv, sondern auch zum Ausstellungsort. Es entsteht eine bildlich installative „Verdoppelung“ des Raumes und zugleich werden die Begebenheiten verändert, die die neuen Aufnahmen bestimmen. Dieser Prozess beschreibt ein „Lichtspiel/-theater“, das sich sowohl auf den Bildern als auch im Pavillon selbst beobachten lässt.

 

Biografie

Mit der fotografischen, zeichnerischen Arbeit „Kadragen“ schloss Margarita Wenzel 2020 ihr Meisterschülerstudium bei Prof. Julia Kröpelin an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle ab. Als Weiterentwicklung ihrer Diplomarbeit „So weit das Auge reicht“ von 2018 vollzieht sie darin eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Blick von oben, in dem sie optische Selbstverständlichkeiten aufbricht und Räume analytisch durchdringt.

Die Arbeitsweise von Margarita Wenzel ist mit einem hohen Rechercheaufwand verbunden; knüpft aber stets Anschluss und äußert sich sowohl konzeptuell als auch in der künstlerischen Umsetzung bemerkenswert vielseitig.
Bevor sie an die Burg Giebichstein Kunsthochschule kam, studierte Margarita Wenzel Freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar und erhielt für ihr Vordiplom den Bauhaus-Essential-Preis. Zuvor besuchte sie für ein Semester das Minneapolis College of Art & Design in den USA. Einige Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie mit ihren Eltern im Iran, was ihren Blick auf kulturelle Eigenheiten prägte. Derzeit strebt sie eine künstlerische Reise zum Mond an, die von der Graduiertenförderung der Burg Giebichenstein unterstützt wird.