
Vernadsky National Library of Ukraine, 1975-1989, Vadym Hopkalo, Vadym Grechyna, Valeriy Peskovsky, Kyiv © Foto: Pavlo Dorogoy 2022
Triennale der Moderne 2022
Special-Focus – Modernism in Ukraine
Ausstellungsreihe – MODERN ROOTS AND HERITAGE OF KHARKIV AND LVIV
Kapitel #5:
«UKRAINIAN SOCIALIST POSTMODERNISM»
28 Nov bis 16 Dez 2022 – Ausstellungszeitraum
Autor*in / Fotograf*in: Ievgeniia Gubkina (Urban Forms Center (UFC), Kharkiv) und Pavlo Dorogoy (Fotografie)
Das letzte Kapitel der Ausstellung befasst sich mit der späten oder postmodernen sozialistischen Periode in der Ukraine und ihrer Bedeutung für die Entwicklung der ukrainischen Architektur. Die Ausstellung umfasst aktuelle fotografische Arbeiten, insbesondere zu Gebäuden in Städten rund um Kharkiv, zur Dokumentation des aktuellen Zustands sowie der Kriegsschäden. Das Kapitel wurde von der Architekturhistorikerin Ievgeniia Gubkina, Mitbegründerin des Urban Forms Center, Charkiw, in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Pavlo Dorogoy konzipiert, mit Bezug auf die Ausstellung «Architecture of Late Socialism in Ukraine and the Czech Republic», die im House of Arts in Brünn gezeigt wurde.
Bilder und Modelle in der Ausstellung im BHROX bauhaus reuse, © Foto: Michael Setzpfandt, 2022
Die in Kharkiw ansässige Architekturhistorikerin Ievgeniia Gubkina und der Fotograf Pavlo Dorogoy erkunden und dokumentieren das architektonische Erbe der Postmoderne der späten Sowjetzeit in der Ukraine in den 1980er und 1990er Jahren. Heute, da die Ukraine Russlands unverschämter und ungerechtfertigter Aggression begegnet nicht nur das ukrainische Volk, sondern auch das ukrainische architektonische Erbe und seine Erhaltung zu einem Thema, das die ganze Welt beschäftigt.
Auf der Grundlage langjähriger Forschung und Feldarbeit haben die Autoren*innen einige der bedeutendsten architektonischen Objekte des Spätsozialismus in der Ukraine gefunden und dokumentiert. In seinen Werken interpretiert Pavlo Dorogoy das kulturelle Erbe und regt zur Diskussion darüber an, sowie zum Gedanken und eigene Erfahrungen auszutauschen.
Sie können hier sowohl Fotografien sehen, die kurz vor dem Beginn des Krieges im Februar 2022 aufgenommen wurden, als auch solche, die während des Krieges entstanden sind, einschließlich der Objekte in den befreiten Gebieten. Heute hat das Projekt eine neue Bedeutung erlangt, denn diese Architektur, nicht weniger als mittelalterliche Kirchen, barocke und klassizistische Gebäude und moderne Wohnkomplexe, ist durch die russische Invasion, den Beschuss und die Raketenangriffe auf ukrainische Städte von Zerstörung bedroht. Viele der von Pavlo Dorogoy fotografierten Objekte befinden sich in der Nähe einer Frontlinie, in einem Kriegsgebiet, waren in den besetzten Gebieten oder wurden bereits teilweise zerstört. In der Zwischenzeit wurde Pavlo Dorogoy zum “Auge” von Tausenden von Menschen auf der ganzen Welt, die das Leben in seiner Heimatstadt Kharkiw, der größten Stadt im Osten der Ukraine, die nur 40 km von der Grenze zu Russland entfernt liegt, beobachten.
Für die sozialistische Postmoderne ist ihre ursprüngliche kritische Komponente sowohl in Bezug auf die Moderne als auch auf die historische Periode nach der Moderne – den Totalitarismus – unverändert. Die ukrainische spätsowjetische Architektur ist eine postmoderne Reaktion auf die historischen und politischen Ereignisse im Zusammenhang mit Revolutionen, Protesten und der akuten Reaktion der ukrainischen Gesellschaft auf die langjährige Unterdrückung der Freiheit und der Rechte der Ukrainer durch Moskau. Diese Postmoderne weckt die Hoffnung auf eine andere Zukunft der Ukraine und den Glauben an die Möglichkeit einer sozialistischen und gleichzeitig demokratischen Entwicklung der Gesellschaft und der ukrainischen Architektur, eingebettet in den westeuropäischen Kontext. in den westeuropäischen Kontext.
Ungeachtet des Krieges ist diese Ausstellung nicht nur eine Aussage über die bereits historische Architektur aus der Zeit des Sowjetimperiums, sondern auch über die fortschreitende Entkolonialisierung der Ukraine und die Erlangung der Subjektivität eines jungen unabhängigen Staates.
Ievgeniia Gubkina (Urban Forms Center (UFC))